dot.review - Kann man LEGO Serious Play und Design Thinking kombinieren?

Oliver Gabor
13. November 2018

Ob man LEGO Serious Play und Design Thinking kombinieren kann, haben wir uns schon lange gefragt. Als uns dann ein Mastermind Training dazu angeboten wurde, mussten wir nicht lange überlegen. Hier der Erfahrungsbericht dazu.

Wie alles begann

Wir kennen Michel Cloosterman schon seit dem Herbst 2017, als wir im Kleihafen Basel unsere LEGO Serious Play (LSP) Facilitator Ausbildung bei ihm machen durften. Seine Firma Bricks and Business empfehlen wir gerne Kollegen und unseren Kunden, wenn es darum geht, sich mit der Basis von LEGO Serious Play vertraut zu machen.

Mastermind mit Design Thinking

Als LSP-Facilitator hat man verschiedene Möglichkeiten, sich weiter zu bilden. Eine davon ist dieser Mastermind-Kurs, den Michel zusammen mit Arjan gibt. Die Fusion von LSP und Design Thinking nennen sie nun "Design Play".

Wie kann man Design Thinking erklären?

Gemäss Design Play ist Design Thinking die Kombination von "Analytischem Denken" und "Intuitivem Denken". Im Idealfall versucht man beim Design Thinking Prozess, in möglichst heterogenen Teams folgende Abläufe zu durchlaufen:

  • Verstehen (Empathize)
    • Was möchte der Kunde?
    • Was sind seine Herausforderungen?
  • Definieren (Define)
    • Das Kundenproblem verstehen und formulieren
  • Ideen generieren (Ideate)
    • Ideen erstellen
    • In alle Richtungen denken und sich nicht einschränken
  • Prototypen erstellen (Prototype)
    • Ausprobieren, testen, Feedback einholen
    • Nicht nur eine Idee verfolgen
  • Integration (Integrate)
    • Sich für einen der Prototypen aufgrund des Feedbacks entscheiden
  • Reflexion (Reflect)
    • Mit dem Kunden reflektieren und sich für eine Lösung entscheiden
  • Design
    • Die Lösung entwickeln
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© by Design Play

 

Enterprise Design Thinking?

Man ergänzt Design Thinking mit dem Konzept des "Systemischen Denkens" und erhält so eine unschlagbare Kombination, die als Enterprise Design Thinking bezeichnet wird. So stellt man sicher, dass alle Teile eines Problems ausreichend beleuchtet werden und ein Design-Team auch die Sicht auf das "Grosse Ganze" einnimmt.

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© by Design Play

 

Tag 1

Theorie und der Case von Clear Vision

Was ich oben in ein paar Absätzen kondensiert habe, durften wir sehr interaktiv und mit vielen Fragen im Team erleben. Arjan war auch nie verlegen, einen oder maximal zwei Witze einzubauen - so blieb die Spannung immer erhalten. Schnell wurden wir dann mit dem Case von Clear Vision konfrontiert, der uns auf unserer Reise in die Welt von Design Thinking begleiten wird.

Wir hatten dann die Gelegenheit, den Gründer von Clear Vision in einem Rollenspiel kennen zu lernen und ihm in einem fiktiven Interview Fragen zu stellen, damit wir die Ausgangslage von seinem Unternehmen besser verstehen. Es galt auch zu verstehen, wo das Unternehmen steht und wohin es sich bewegen möchte. Dazu wurde das Modell von Treacy und Wiersema erklärt und mit anderen ergänzt, womit die folgenden Business Strategien erklärt wurden:

  1. Product Leader
  2. Operational Excellence
  3. Customer Intimacy
  4. Experience
  5. Community Building

Das erste LEGO Modell

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Nach dem Interview folgte das erste LEGO Modell. Wie haben wir den Gründer von Clear Vision verstanden und was könnte sein Problem sein? Wo steht das Unternehmen jetzt und wohin soll es sich bewegen? Hier wurden die oben erwähnten Strategien diskutiert und in den LEGO Modellen visualisiert.

Was ist nun aber das effektive Problem?

In der Define Phase wurde mit dem Konzept des Super Human gearbeitet, eine Art Persona, die aber noch viel mehr Facetten hat, die alle für die Problemfindung berücksichtigt werden. Mit dieser Methode wurde jede mögliche Lösung aus einer anderen Perspektive beleuchtet.
So entstanden Stories zu den Problemen, in dem das Modell des Super Human in unserer gebauten Modelllandschaft "schwimmen" ging.

Eine Landschaft entsteht

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Nun ging es in die Richtung von kreativen Ideen für das gefundene Problem. Doch haben wir alle möglichen Seiten des Problems beleuchtet? Hierbei haben wir mit der S.C.A.M.P.E.R. Methode versucht, den scheinbar klaren Ideen noch eine neue Sichtweise zu geben:

  • Substitute something
  • Combine it with something else
  • Adapt something to it
  • Modify or Magnify it
  • Put it to some other use
  • Eliminate something
  • Reverse or Rearrange it

Tag 2

Wie gut ist deine Problemlösung bzw. dein Prototyp?

Nun ging es darum, unser Bauchgefühlt in ein LEGO Modell zu packen: "Wie gut ist dein Prototyp bzw. deine Lösung?". Beim Erklären des Modells hat jeder die Gedanken der Teammitglieder mitbekommen, um im Anschluss die Lösung als Ganzes beurteilen zu können.
Im Anschluss durften alle Teilnehmenden die Ideen mit LEGO-Steinen bewerten. Danach wurde ein LEGO-Modell aus den besten Ideen gebaut.

Und dann kam alles in Bewegung!

 

Dieses Video zeigt, was sich aus den besten Ideen für ein Modell ergeben hat, welches die Lösung für das beschriebene Problem darstellt. In der oberen Ecke des Modells ist eine "Superwoman" sichtbar, die danach im Storytelling verwendet wurde, um das ganze Modell zu erklären.
Durch das Herumfliegen mit der Superwoman-Figur, wurde jedem Detail Leben eingehaucht und die Idee dahinter nochmals beschrieben.

Was sagt dein Bauchgefühl?

Nun musste jeder Teilnehmende ein Modell bauen, das sein Bauchgefühl zur Lösungsfindung darstellt. So kann man als Moderator am besten abschätzen, ob die gefundene Lösung auch vom Kunden "getragen" wird. Nun ging es in den Schritt der Integration. Wie kann die Problemlösung allen Einflüssen standhalten. Mehr dazu im nächsten Schritt.

Was sagt das Umfeld der Lösung dazu?

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Wie reagieren die Stakeholder des Systems auf die Lösung? Um hier nicht das Projektdenken zu strapazieren, wurden verschiedene Sichtweisen von Aussen getestet:

  • Individual (du als Designer der Lösung)
  • Team (das Design-Team der Lösung)
  • Organisation (das Unternehmen, welches die Lösung implementieren wird)
  • Customers (Kunden des Unternehmens)
  • Society (die Gesellschaft)

In diesem Schritt wurde die Storyline des Modells mit den oben genannten Aspekten und Blickwinkeln ergänzt, um die Lösung auf deren Machbarkeit zu prüfen. Was würden spezifische Stakeholder aus diesen Bereichen über die Lösung denken?
Nun wurden in den verschiedenen Bereichen typische Stakeholder gebaut und deren Storyline zum Besten gegeben. Würde die Lösung auch ihren kritischen Einstellungen standhalten?

Kann die Lösung mit verschiedenen Szenarien umgehen?

Im letzten Schritt des Trainings wurde der Abschnitt "Reflect" bearbeitet. Kann die gewählte Lösung mit verschiedenen Szenarien umgehen? Oder muss diese für einzelne Fälle angepasst werden? In einem Brainstorming werden verschiedene Szenarien gesammelt. Danach wird ein Event ausgewählt und durchgespielt: "Welche Teile der Lösung werden von diesem Event verändert?" Diese werden von den Teilnehmenden markiert.

Das Design der neuen Lösung steht, nun musst du es verkaufen!

Die Lösung des Problems von "Clear Vision" wird zusammengefasst und in einem Mindmap dokumentiert. Dies soll helfen, die Storyline einfacher wiedergeben zu können, auch wenn der Workshop schon eine Weile her ist. Die Storyline sollte alle Kernelemente der Lösung enthalten:

  • Die Herausforderung beziehungsweise das "richtige" Problem
  • Den Prototyp der Lösung
  • Die Stakeholder
  • Die Erwartungen der Stakeholder an die Zusammenarbeit mit der neuen Lösung

Mit dieser Zusammenfassung hat der Kurs dann geendet und damit gingen zwei sehr volle und lehrreiche Tage mit Michel und Arjan zu Ende.

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Fazit?

Es war ein sehr erfrischender Kurs mit vielen Ahas und Ohs von meiner Seite. Der Inhalt bietet viel mehr, als uns im Vorfeld versprochen wurde. Das Handout ist praktisch ein Buch mit einer Schritt für Schritt Anleitung zu allen hier beschriebenen Stages.
Wer schon LEGO Serious Play Facilitator ist, sollte diesen Kurs unbedingt besuchen, beziehungsweise mit Michel Kontakt aufnehmen.

Totales Neuland für dich? Kein Problem, stelle unten im Kommentar eine Frage dazu, oder lade unten das PDF herunter für noch viel mehr Bilder und Impressionen von LEGO Serious Play im Kontext von Efficient Organisations.

Have fun! 

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