dot.coaching - Rolle der Kommunikation in agilen Teams

David Berger
15. August 2017

Je länger ich als Agile RE Coach wirke, desto mehr bin ich überzeugt, dass ich bloss Kommunikationsthemen adressiere und löse. JIRA oder Confluence, Story-Dekomposition oder Testautomatisierung, sprich die Technologien und Werkzeuge sind beiläufig geworden. Willkommen zur Rolle der Kommunikation in agilen Teams.

Ohne Kommunikation kein System

Unsere Consultant Kollegen mögen diese Herausforderung nachempfinden können: Man konsumiert zwar Lohn von derselben Firma, trifft sich gelegentlich zum Bieren oder Skifahren, aber ansonsten schweigt man. Man ist kein Team, man funktioniert nicht gemeinsam. Weil man eben nicht miteinander kommuniziert. Und damit auch nicht gemeinsam ausgerichtet ist.

Das ist in meiner Branche ausgeprägt, aber betrifft auch interne, vermeintliche "Teams" unserer Kunden. Dort, wo Menschen zufällig zusammengewürfelt sind, aber miteinander nicht schwatzen, sich nicht weiterentwickeln oder weiterbilden, sondern tagtäglich anstarren. Es sind keine echten Teams, sondern lose Zweckgruppierungen, die halt eben zufällig als "Team", als traurige Kostenstelle organisiert sind.

Kurzum:

Ohne Kommunikation kein Team

Kommunikation innerhalb eines Scrum Teams

Ich idealisiere ein Scrum Team als "Gewusel". Ein lärmiges Nebeneinander. Der testaffine Entwickler motzt über jeden Bug, der analyseaffine Entwickler skizziert zusammen mit einigen Kollegen spontan die Lösungsarchitektur, die übrigen Entwickler teilen sich permanent einen Bildschirm, der Product Owner beantwortet alle Fragen, der Scrum Master maximiert die Kommunikation.

Das ist meine heile, agile Welt. Eine Welt der Omnikommunikation, Permakommunikation. Wir können die Kommunikation in gewissen Situationen dimmen, wenn wir uns in ein Böxli zurückziehen. Doch grundsätzlich kommunizieren wir alle. Wir bleiben transparent.

Grenze der Kommunikation

Die direkte und unmittelbare Kommunikation ist die effektivste und effizienteste, so auch das Agile Manifesto. Selbst User Stories im #AgileRE-Kontext sind bloss als Kommunikationsversprechen und nicht als Spezifikation zu interpretieren. Sie sollen die Kommunikation provozieren und nicht mit Scheinexaktheit eliminieren.

Doch die Grösse des Teams begrenzt die direkte Kommunikation. Die ideale Team-Grösse pendelt zwischen sieben plusminus zwei Personen. Je grösser ein Team, umso höher ist der Kommunikationsaufwand, damit das komplette Team stets ausgerichtet ist. Ab zehn Personen reduziert der Kommunikationsaufwand die Effizienz des Teams. Ab dann wird das Team eine Arbeitsteilung implementieren, welche es auseinanderbrechen lassen. Weil ohne Kommunikation kein Team.

Oder in einer Visualisierung:

Kommunikations-Tweet.png

Der klassische Manager will die Effizienz erhöhen, indem er das Team vergrössert und die Arbeit verteilt und parallelisiert. Damit reduziert er gleichzeitig die Effektivität des Teams, weil das Team nicht mehr gleichmässig abgestimmt ist. Weil es nicht mehr gleichmässig über die Ziele, über das Produkt und über den Kunden sowie das gemeinsame Vorgehen sich austauschen kann. Das Team löst sich in Einzelhelden auf, die einzeln die Welt retten wollen. Das kann auch den besten agilen Teams widerfahren.

Kommunikationsprovokation

Ein munterer Agile Requirements Engineer verschwendet keine Kommunikation. Er muss stattdessen Kommunikation provozieren. Er muss forcieren, dass das Unausgesprochene ausgesprochen werden kann. Er muss deeskalieren. Er muss vermitteln. Er muss dazu aber die Tipps und Tricks kennenlernen.

Und hier sind wir unterbesetzt.

Wir haben entweder einen technischen oder kaufmännischen Hintergrund. Wir können problemlos JIRA konfigurieren, über Testautomatisierung fachsimpeln; wir können über die richtige Schätzmethodik disputieren, aber wir können nicht wirklich Kommunikationsthemen coachen. Hier attestiere ich Nachholbedarf. Und zwar, wenn man uns mit Kommunikationsprofis misst. Also mit Scheidungsanwälten, mit Psychotherapeuten, mit Mediatoren und so weiter.

Ich befürworte eine Ausbildungsinitiative. Wir Agile Requirements Engineers müssen unsere Kommunikationsfähigkeiten schulen. Wir können uns mit den traditionellen Kommunikationsprofis vernetzen.

Unterstützende Werkzeuge

Digitale Werkzeuge wie Slack begünstigen die Permakommunikation. Sie disziplinieren uns für eine kontextsensitive Kommunikation. Wir müssen stets reflektieren, ob wir in #random, #bullshit, #project oder #sales agierend sind. Wir müssen unsere Kommunikation strukturieren. Im Gewusel eines Scrum Teams verlernen wir zuweilen, die Kommunikation gezielt einzuordnen. Hier können Werkzeuge erinnern. Auch analoge Werkzeuge wie typisierte Hüte (Moderator-Hut, Besserwisser-Hut, Troll-Hut, CEO-Hut) oder Benachrichtigungsglocken können die nunmehr wirbelige analoge Kommunikation kanalisieren.

Wie dot helfen kann?

Wir anerkennen die Wichtigkeit der Kommunikation. Wir bringen Teams zum Reden. Mit unseren fixfertigen Workshops lassen wir die Team glänzen. Wir moderieren, sie kommunizieren.

Ansonsten schulen Sie Ihr Team komplett; heben Sie ihren Kommunikationsstandard mit einem Kurs über Moderation Foundation Level.

Oder erlangen Sie Ihren nächsten IREB mit dem IREB Advanced Level Elicitation & Consolidation.

Aber sooderso:

Agile Requirements Engineering ist Kommunikation; kanalisierte, gezielte, positionierte Kommunikation. Nur so als Wink.

Kommentare (2)

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