dot.review - Fehlt uns ein Chief Happiness Officer?

Oliver Gabor
05. März 2019

Immer mehr Firmen verordnen Freude und Glück aus der Chef-Etage heraus. Ergibt dies Sinn und ist es nachhaltig?

Was ist ein Chief Happiness Officer?

Happy Team

Wo ist dieses neue Modewort aufgekommen? Warum muss jede Position in einem noch so kleinen Unternehmen mit einem "C" beginnen? Kann man Freude verschreiben, wie ein Arzt ein Medikament?

Laut Wikipedia ist der CHO der "Manager der Freude" und kümmert sich darum, dass die Mitarbeiter glücklich sind. Was müssen das für Manager sein? Im Guardian Artikel wird die Person des CHO wie folgt beschrieben:

  • ...kann die Mitarbeiter natürlich zu mehr Freude inspirieren
  • ...ist auch selbst jemand, der Spass an Dingen hat
  • ...ist beliebt und versprüht eine Menge Energie

Es gibt verschiedene Bezeichnungen für diese Position, z. B. "Glückscoach" oder "Work-Life-Balance Beauftragte(r)". Jede dieser Rollen hat das Ziel, die Mitarbeitenden langfristig ans Unternehmen zu binden, indem sie mehr Freude und Glück bei ihrer Arbeit haben. Je ausgeglichener die Mitarbeitenden, desto besser ist die Qualität ihrer Arbeit und ihre Verbundenheit zum Unternehmen.

Diese Rolle hat ihren Ursprung in Amerika und wird dort laut verschiedenen Artikeln bereits seit 2010 in Tech-Unternehmen gelebt. Als Beispiel wird immer wieder Zappos.com genannt, ein Onlinehandel für Turnschuhe in den USA. Zappos Gründer Tony Hsieh beschreibt in seinem Buch "Delivering Happiness", wie man als Unternehmen in die Zufriedenheit der Mitarbeiter investieren soll, was auf lange Sicht ein zufriedenes Leben und zufriedene Kunden bedeutet. Hsieh ist heute unter anderem Chief Happiness Officer von Zappos.

Bei Zappos scheint der Sinn bzw. Purpose des Unternehmens weiter zu greifen als nur "Schuhe zu verkaufen". Sie bezeichnen sich als eine Firma, die eben "Glück liefert" und nicht nur Schuhe. Somit versteht es sich, dass die Position des CHOs bei Zappos eine tiefgreifende Verankerung in der Unternehmenskultur findet.

Gibt es diese CHOs wirklich? Nicht nur bei Facebook und Google? Ja, es gibt sie auch hier bei uns in der Schweiz. Man muss nicht weit suchen!

Chief Happiness Officer in der Schweiz? 

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Der Taschenhersteller Freitag war im Herbst 2018 mit einer Pressemeldung in den Schlagzeilen, als das Unternehmen sich zum 25. Geburtstag eine neue Position schenkte:

  • EXECUTIVE VICE PLEASIDENT FOR GLOBAL HAPPINESS

Man konnte sich per Ende 2018 auf diese Position bei Freitag bewerben. Scheinbar mussten die Chefs von Freitag viele Fragen zu dieser Position beantworten, worauf sie sogar eine FAQ für die Stellenausschreibung erstellt haben. Dort werden solche und ähnliche Fragen beantwortet:

  • Meint ihr das ernst?
  • Nach welchen Kriterien werdet ihr entscheiden?
  • Krieg ich einen richtigen Arbeitsvertrag mit BVG usw...?

Firmen, die den Start-Up Groove versprühen, werden bei der Adaption von neuen Rollen und Konzepten meistens bejubelt. Es scheint so, als ob auch bei einer trendigen Firma, wie Freitag, die Skepsis für so eine Position doch sehr hoch ist.

Machen wir doch den Realitäts-Check! Was sagt mein Netzwerk in LinkedIn dazu? Wen interessiert dieses Thema und was sagen Leute aus der Schweiz dazu?

 

Wie sieht so ein Chief Happiness Officer aus?

Portrait Fabienne Klauser

Ein Artikel der Sonntagszeitung hat mich getriggert, auf LinkedIn einen kurzen Aufruf zu starten, ob es diese CHOs wirklich braucht. Fast zeitgleich hat Stefanie Moser einen LinkedIn Blog dazu verfasst, weil dieses Thema auf den ersten Blick noch sehr künstlich erscheint.

Stefanie geht in ihrem Blog darauf ein, ob Freude und Spass dasselbe sind, oder ob es in vielen Unternehmen auch falsch verstanden wird. Im ersten Augenblick kann so eine CHO Rolle auch missverstanden werden, indem Aussenstehende denken, dass nun der Spass im Unternehmen auch von der Managementstufe aus "befohlen" wird.

In meinem LinkedIn Post hat Christian Gemperli eine CHO zu einem Kommentar aufgerufen. Fabienne Klauser von Frontify hat dann auch prompt geantwortet:

"Happiness" ist kein Rezept, das von einem Chief Happiness Officer im Unternehmen verschrieben werden kann. Diese "Essenz" trägt jede/r in sich und ist jeweils unterschiedlich dosiert.

Wie happy sich Mitarbeitende fühlen, ist individuell. Es ist nicht die Aufgabe eines CHO die Menschen "happiness" zu lehren. Wer als CHO tätig ist, sollte schon mal eine Portion "happiness" mitbringen.

Meine Aufgabe ist es, nicht nur abgefahrene Ideen zu entwickeln, wie aus dem Silicon Valley bekannt. Kleine Aufgaben, welche die Mitarbeiter positiv und emotional treffen, bleiben in Erinnerung. Events gehören dazu, das wiederum in einem gesunden Mass. Ein offenes Ohr, mal Schneeräumen vor der Haustür und vieles mehr. Natürlich ist es eine Herausforderung, die verschiedenen Teilbereiche in einem gesunden Gleichgewicht, in einem wachsenden Unternehmen gekonnt zu handeln.

Wenn ich und wir "happiness" vermitteln können, die Mitarbeitenden es sind, dann bringt uns das allen etwas – dem Mitarbeitenden (privat und geschäftlich), dem Unternehmen und dem Kunden. Sind Menschen happy in dem was sie tun, dann kommen sie mit mehr Energie, Freude und Spass zur Arbeit, was sich für alle Bereiche positiv auswirkt.

Wie ihr aus dem Kommentar von Fabienne lesen könnt, sind nicht alle CHO Aufgaben so abgehoben, wie man es auf den ersten Blick vermuten würde. Wie können moderne Unternehmen ihren Mitarbeitenden Freude und Spass an der Arbeit vermitteln, um langfristig Erfolg zu haben? 

Diese Frage beschäftigt uns auch bei dot. Wie stellen wir sicher, dass die Mitarbeitenden Freude an der Arbeit haben und diese auch bei unseren Kunden ausstrahlen? Fehlt uns ein Chief Happiness Officer?

Fehlt uns ein Chief Happiness Officer?

Oliver in Action

Im Fall von dot würde ich sagen - Nein. Warum? Weil wir als Firma der Überzeugung sind, dass wir unsere Werte immer hochhalten und überall versuchen, diese zu verankern, zu leben und weiter zu entwickeln. Jeder Mitarbeiter kennt unsere Charta und entwickelt sie weiter, wenn er neue Erkenntnisse beitragen kann. Hier ein paar Beispiele, wie wir Freude und Spass im Unternehmen verankern.

Der dot.creation Tag - alle zwei Wochen

Wir investieren in den Austausch und das Weitergeben von Wissen, indem wir uns alle zwei Wochen für einen Tag treffen. Dies nennen wir dot.creation, weil am Ende jedes Tages neue Dinge entstehen:

  • Ein neuer Kurs
  • Ein neuer Workshop
  • Neue Erkenntnisse zur optimalen Zusammenarbeit
  • Klärung von neuen Themen
  • Feedback zur Zusammenarbeit

Wertschätzung und Feedbackkultur

Uns ist es wichtig, dass wir uns gegenseitig loben, wenn wir Dinge gut machen. Dies kann schriftlich in unserem Austausch mit Slack stattfinden, oder von Angesicht zu Angesicht. Bei unseren Mitarbeitenden hat jeder an seinem Geburtstag frei und erhält einen Gutschein zur freien Verfügung.

Die Wertschätzung hört nicht bei den Mitarbeitenden auf, sondern geht noch weiter. Die Partner unserer Mitarbeitenden erhalten an ihrem Geburtstag auch etwas Kleines von dot und sind auch Teil unseres dot.togethers im Schnee, wo wir uns mit allen treffen und zusammen Ski fahren.

Transparente Entscheide

Wir legen Wert auf Transparenz bei allem was wir tun. Bei uns gelten folgende Aussagen nicht als Erklärung:

  • Dies ist ein Privileg der Geschäftsleitung...
  • Dieser Mitarbeitende ist halt schon länger dabei...
  • Dieser Mitarbeitende hat mehr Umsatz generiert...

Verantwortung übernehmen

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Auch wenn wir bei dot keinen CHO haben, sehen wir in unserem Alltag vielfach, dass jeder von uns Verantwortung übernimmt und so eine Rolle auf Zeit ausfüllen kann. Diese Verantwortung hat den Ursprung in der hohen Autonomie und dem Gestaltungsspielraum, den alle Mitarbeitenden bei uns haben. Freude und Spass hat viele Gesichter bei dot. Dies können grosse oder kleine Dinge sein, welche die ganze dot Mannschaft überraschen und extreme Freude verbreiten.

Ich denke mit viel Freude an unseren Outdoor Retreat im August 2018 zurück, wo wir die Gegend von Ramona und Samuel erkunden durften. Im Vorfeld war nicht bekannt, was genau passieren wird und wo die Orte sind, an denen wir gemeinsam an der neuen Firmenstruktur arbeiten. Viele wurden positiv überrascht und konnten sich von ganz neuen Seiten kennenlernen. Sei es beim Outdoorkochen über dem Feuer, oder während der Stadtsafari in Basel.

Wie denkst du über die Rolle des Chief Happiness Officers?

Deine Meinung ist gefragt! Kommentiere unterhalb des Blogbeitrags, wie du diese Rolle siehst und wie dein Unternehmen Freude und Spass in den Alltag integriert!

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