dot.gastbeitrag - Über die Wichtigkeit der Soft Skills in Scrum-Teams

Regula Hofer
03. Dezember 2019

Das ist ein Gast-Beitrag von Regula Hofer. Regula Hofer besuchte das von den agilisten mit-initiierte CAS Agile Organisation an der FHNW. Dieser Blog ist als Transferleistung verfasst worden. In diesem Beitrag verweist Regula Hofer auf die Wichtigkeit der sogenannten "Soft Skills" in der agilen Organisation.

Agile Organisationen sind erforderlich

Das Tempo der Veränderung und der vermehrte Wettbewerbsdruck verlagern den Schwerpunkt von Organisationsstrukturen weg vom Tagesgeschäft hin zu wechselnden Vorhaben. Organisationen müssen sich von hierarchischen Strukturen trennen und dynamische Strukturen aufbauen. Der Bedarf nach Agilität verlangt zusätzlich, dass ein Grossteil der Entscheidungsgewalt an das für das Vorhaben verantwortliche Team übertragen wird.

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Scrum, was sich selbst als Rahmenwerk und nicht als Methode versteht, sieht vor, dass die Verantwortung und Entscheidungskompetenz an das gesamte Team übertragen wird.

Die Einhaltung der Scrum Werte Selbstverpflichtung, Mut, Fokus, Offenheit und Respekt soll, zusammen mit den drei Säulen der empirischen Prozesssteuerung Transparenz, Überprüfung, und Anpassung, dazu beitragen, dass Vorhaben erfolgreich durchgeführt werden. Die Begriffe werden nicht detailliert beschrieben und sind damit interpretierbar. Jede Organisation, jedes Team und jede einzelne Person muss und wird für sich seine eigene Definition festlegen. Und so wird es bald so sein, dass nicht alle, die von Scrum/Agilität sprechen, identische Definitionen und Haltungen haben werden.

Kern eines Scrum-Teams: Der einzelne Mensch

Wie sich ein einzelnes Scrum-Team definiert und funktioniert, hängt stark von den einzelnen Persönlichkeiten ab, die Mitglied eines Teams werden. Eine Herausforderung wird es dann, wenn einzelne Teammitglieder in unterschiedlichen Scrum-Teams arbeiten. Diese Personen müssen sich zeitgleich in unterschiedlichen Teamkulturen bewegen. Zusätzlich verändert sich das Gruppen- wie auch das individuelle Verhalten, sobald sich Faktoren wie Zeitdruck oder Kritik verstärken. Egal, ob eine Einzelperson in eine neue Firma oder in ein neues Scrum-Team eintritt oder sich ein neues Scrum-Team bildet, wird es wichtig sein, die gegenseitigen Werte abzustimmen. Dafür ist es zentral, dass die einzelnen Personen sich selbst, ihre Persönlichkeit, ihre Stärken und Schwächen und die eigene Haltung kennen. Nur so können sie sich maximal gewinnbringend in ein Team, in eine Organisation einbringen.

Risiko Soft Skills

Wo Menschen eng zusammenarbeiten, werden sogenannte Soft Skills (also Fähigkeiten im Umgang mit anderen Menschen) wichtig.

Während sich Methodenkompetenzen (z. B. Retrospektiven, Feedback Regeln oder Konfliktmanagement) relativ leicht aneignen lassen, sind persönliche und soziale Kompetenzen je nach Haltung und Überzeugung nur bedingt erlern- und veränderbar. Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale bilden sich in der Kindheit und sind fest im Hirn verankert. Sie steuern, wie eine erlernte Methode tatsächlich angewendet wird. Das für den richtigen Einsatz von Methoden erforderliche Feingefühl zu entwickeln, kann für die eine oder andere Persönlichkeit eine Hürde darstellen.

Erlerntes Wissen über eine Methode gewährleistet daher nicht, dass damit auch die erwünschte Wirkung erzielt wird. Es besteht das Risiko, dass falsch eingesetzte Methoden mehr Schaden anrichten, als dass sie Nutzen bringen.

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Wie kann mit diesem Risiko umgegangen werden?

Nur noch Menschen einstellen, deren Soft Skills in allen Bereichen sogenannt positiv ausgeprägt sind? Wer dies als einzig wahre Lösung sieht, lässt ausser Acht, dass sich beispielsweise auch zwei selbstlose Persönlichkeiten ausdauernd streiten können (beobachtbar z. B. im Restaurant beim Bezahlen der Rechnung). Er lässt auch ausser Acht, dass Soft-Skills nicht immer mit der Fähigkeit verknüpft sind, die erforderlichen fachlichen Kompetenzen zu erlernen.

Hinzu kommt, dass bei der Zusammenstellung eines Teams in den seltensten Fällen eine freie Wahl möglich ist. Auch wenn sich ein Unternehmen für die Einführung von Scrum entscheidet, werden die Teams in einem ersten Schritt mit bestehendem Personal zusammengesetzt. Im besten Fall wurden bereits bei deren Rekrutierung auch die Soft Skills berücksichtigt oder die Personen bringen diese zufällig mit. Es werden aber immer auch Personen dabei sein, die nicht allen Anforderungen eines idealen Scrum Teammitglieds entsprechen.

Vielleicht geht es wie bei den Hard Skills auch bei den Soft Skills darum, die Personen richtig einzusetzen. Und vielleicht kann es auch in einem Scrum-Team hilfreich sein, dass gewisse Aufgaben (z. B. Personen auf ihren ausgeprägten Körpergeruch ansprechen) von Personen übernommen werden, die über das dafür erforderliche Feingefühl verfügen. Diese Haltung steht nicht im Widerspruch zu den Werten von Scrum. Im Gegenteil, so wird sichergestellt, dass die Werte auch gegen aussen und gegenüber allen Personen der Gesellschaft gelebt werden.

Risiko Team

Wann immer ein Team/Gruppe neu entsteht, ist Team Building und ein gemeinsamer Team Spirit wichtig. Je besser dies gelingt, desto effizienter und erfolgreicher kann das Team werden. Wenn innerhalb einer Gruppe Werte definiert werden, die sich von denjenigen des jeweiligen Umfeldes unterscheiden und gleichzeitig der Druck und die Erwartungen von aussen steigen, bildet sich in vielen Fällen ein besonderer Gruppenzusammenhalt.

Jedes gut funktionierende Team oder Gruppe sieht sich darum auch mit den Risiken "Ausgrenzen" und "Group Thinking" konfrontiert. Sehr schnell kann ein Überzeugt-Sein von Werten dazu führen, dass Gruppen und Personen mit anderen Haltungen abgewertet werden. Es besteht auch die Gefahr, dass das eigene Handeln nicht mehr kritisch überprüft wird. Die Übergänge sind fliessend und Grenzüberschreitungen häufig nicht sofort erkennbar.

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Wie kann diesen Risiken entgegengewirkt werden? Das Team und den Projektfortschritt zu reflektieren, wie es im Scrum-Vorgehen vorgesehen ist, kann sicherlich einen Beitrag leisten. Vielleicht kann auch ein Team- oder Organisationseinheit-übergreifender Austausch sinnvoll sein: Wenn die Aufgaben und das Vorgehen zu deren Bewältigung gegenseitig vorgestellt werden, ohne diese zu werten, könnte dies neben der Reduktion des Risikos "Team" auch zur Akzeptanz von Scrum-Teams beitragen.

Gleichzeitig kann ein entsprechender Anlass die Möglichkeit bieten, Synergien zu erkennen und zu planen, wie diese zukünftig genutzt werden können. Wenn Scrum-Teams anerkennen, dass verschiedene Vorgehen richtig sein können, wird vielleicht auch die Wertschätzung von anderen Organisationseinheiten gegenüber eines Scrum-Teams erhöht. Dies kann im besten Fall dazu führen, dass dadurch die Bereitschaft für die Anpassung von Organisationseinheit-übergreifenden Prozessen erhöht wird und damit die Performance des Scrum-Teams weiter ansteigt.

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