dot.review - Lohnt sich der Professional Scrum Master (PSM) Kurs?

David Berger
30. April 2018

Scrum Mastern ist kein Hobby, sondern eine Lebensaufgabe, so resümierte ich in einem Blog. In seiner kompletten Breite und Tiefe kann man das Scrum Mastern nicht in einem Kurzkurs erfahren. Lohnt sich also ein Professional Scrum Master Kurs? Mein dot.Review.

Ein Scrum Master Kurs immer 

Ja, auch als Scrum Master soll man einen Scrum Master Kurs besuchen. Auch wenn man überzeugt ist, den Scrum Guide trunken rezitieren zu können. Eine Scrum Master Schulung - so wie der Professional Scrum Master (PSM) Kurs - ist kein Frontalunterricht, sondern eine Art persönliche Retrospektive.

Der Professional Scrum Master Kurs von Ari

Ich habe Anfang Jahr am Professional Scrum Master Kurs teilgenommen, durchgeführt von Ari Byland. Das ist ein zweitägiger Kurs, konstruiert von der Scrum-Organisation Scrum.org. Die Lokalität war angenehm; das alt-verjüngte Sulzerareal Winterthurs. Die Verpflegung okay, das Personal wirkte zuweilen überfordert. Dabei waren wir von der Grösse ein Scrum-Team am oberen Limit. Soviel zum Rahmen. Passte.

Der Backlog des Professional Master Kurs ist standardisiert und meines Erachtens gelungen. Das erste Kapitel will Dringlichkeit und Notwendigkeit von Scrum aufzeigen. Die Thermostat-Analogie ist mittlerweile weltberühmt. Ebenso, dass die heutzutage ausgeführten Management-Praktiken nicht mit der heutzutage real existierenden Komplexität korrespondieren.

Danach folgt Scrum wie es sein muss. Der Professional Scrum Master Kurs deckt dabei gängige Scrum Mythen auf. So ist unterscheidet Scrum.org nicht (mehr) zwischen Planning I und Planning II, sondern betrachtet das Sprint Planning als ganzeinheitliche Zeremonie, in der das Was und Wie des nächsten Sprints zusammengehen und in der Zeremonie selber finalisiert werden. Grossartig.

Sprint Review - ebenso eine vernachlässigte Zeremonie. Hier stellt Scrum.org richtig, dass das Sprint Review keine Marketing- respektive einseitige Informationsveranstaltung für gewichtige Stakeholder ist. Sondern eine Plattform für das gegenseitige Review, Entdecken und Interpretieren, um - ja! - den Product Backlog dementsprechend zu aktualisieren.

Und so weiter und so fort. Der gesamte Kurs ist sehr interaktiv. Die Folien navigieren. Mittels Visual Facilitation setzt Ari eigene Schwerpunkte. Delikate Gruppenarbeiten, besonders im Umgang mit mehr menschlicheren Themen, provozieren klassische Teambildungsprozesse einerseits, eröffnen neue Perspektiven auf komplexe Problembeziehungen andererseits.

Radikal einfach Scrum denken

Doch jede Übung ist eigentlich eine "Scherzaufgabe". Beispielsweise muss man die Aufgabe lösen, wie man zweihundert Menschen in Scrum-Teams aufteilt. - Hier könnte man korrekterweise antworten, dass die Menschen sich selber organisieren sollen. Aber ja, oftmals hat eine Gruppe nicht den Mut, so radikal einfach Scrum zu denken, sondern agiert weiterhin im klassischen Mindset.

Ok. Ein grossartiger Kurs. Ich habe mich stets ertappt, wie ich selber Anti-Muster im Scrum unwissentlich angewendet habe. Zum Beispiel bin ich als Scrum Master relativ "ungeduldig". Ich beeinflusse zu stark, anstatt dass ich warte, dem Team den Raum gewähre, selber sich zu entwickeln. Hier muss ich mich - je nach Kontext - vermehrt zurückziehen und bloss beobachten.

Diese und weitere Erkenntnisse für den harten Scrum-Alltag konnte ich persönlich mitnehmen. Und das obschon ich eigentlich seit geraumer Zeit Scrum praktiziere. Und darin soll auch meine Call-to-Action gipfeln: Auch als noch so supererfahrener Scrum Master, Agile Coach oder sonstiger Methodenexperte: ein solider Scrum Master Kurs ist die perfekte Retrospektive.

In diesem Sinne: Ja, der Professional Scrum Master Kurs lohnt sich, insbesondere für Scrum Fortgeschrittene oder Profis.

Professional Scrum Master werden

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